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Aktuelles und Veranstaltungen

17.11.11 19:00 Alter: 2 yrs

Der Hagener Sobibór-Prozess 1965/66 als Versuch der „NS-Vergangenheitsbewältigung“

Kategorie: Veranstaltungen, Box Ausstellungen, Vortrag, Presse, Box Aktuelles
Vortrag von Dr. Marlene Klatt am 17.11.2011, 19 Uhr.

Eröffnung des Sobibor-Prozesses am 6.9.1965 im Landgericht in Hagen (W. Lehmacher, Stadtarchiv Hagen).

Das Vernichtungslager Sobibór gehörte zu den zentralen Stätten der „Aktion Reinhard“, bei der über 2 Millionen europäischer Juden sowie 50.000 Roma und Sinti systematisch ermordet wurden. Einige Täter, die in Sobibór am Mord an ca. 250.000 jüdischen Menschen beteiligt waren, versuchte man nach dem Krieg in verschiedenen Gerichtsverfahren wg. Verbrechens gegen die Menschlichkeit zur Verantwortung zu ziehen. Um kein „Sonderrecht“ wie zur NS-Zeit zu schaffen, beschloss man nach 1945, diese NS-Verbrechen wie andere kriminelle Handlungen von der ordentlichen deutschen Justiz ahnden zu lassen.

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet fand der größte Prozess im Zusammenhang des Vernichtungslagers Sobibór in den Jahren 1965 bis 1966 vor dem Hagener Landgericht statt. In diesem Strafprozess wurde 12 Mitgliedern der SS-Wachmannschaft des Lagers Sobibór vorgeworfen, auf grausame Weise systematische Morde begangen zu haben.

In welcher Form fand die Konfrontation von Opfern, den überlebenden und im Prozess auftretenden jüdischen Zeugen, mit den Tätern statt? Wie rechtfertigten diese sich für ihre Taten und wie wurden diese von den Richtern beurteilt? Wie berichtete die regionale Presse über den Prozess und welche Reaktionen erfolgten seitens der Öffentlichkeit? Nicht zuletzt stellt sich die Frage, inwieweit NS-Prozesse wie der Hagener Sobibór-Prozess zur „Vergangenheitsbewältigung“ beitragen konnten. Diesen Fragen geht Dr. Marlene Klatt in ihrem Vortrag nach.

Dr. Marlene Klatt war als Restauratorin tätig und studierte danach Geschichte und Politikwissenschaft an der Universität Münster. Sie war Stipendiatin des Instituts für westfälische Regionalgeschichte, Münster, und mehrere Jahre hauptamtlich in der Politik aktiv. Seit 2008 beschäftigt sie sich mit der Geschichte des Vernichtungslagers Sobibór und dem Hagener Sobibór-Prozess. Aktuell ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem Forschungsprojekt des Gießener Zentrums Östliches Europa der Universität Gießen über die ethnischen und nationalen Verhältnisse in der Region Lodz/?ód? während des 2. Weltkrieges. Marlene Klatt ist Mitglied der Historischen Kommission für die Geschichte der Deutschen in Polen e.V. Ihre Dissertation unter dem Titel „Unbequeme Vergangenheit. Antisemitismus, Judenverfolgung und Wiedergutmachung in Westfalen 1925-1965“ wurde 2009 beim Schöningh-Verlag, Paderborn, veröffentlicht.